Autorenlesenacht "Wostok goes West"

mit Lena Gorelik, Dimitrij Kapitelman, Olga Martynova & Oleg Jurjew

Lesung

Freitag 20.10.2017

20-23 Uhr

Societaetstheater

Vorverkauf: Normal 13,20 € / ermäßigt 8,80 €

Als sich vor 25 Jahren der Eiserne Vorhang senkte und das geeinte Deutschland auch zum Ziel osteuropäischer Einwanderer wurde, dachte niemand daran, wie einschneidend sich das auf den deutschen Buchmarkt auswirken könnte: Mittlerweile ist die postsowjetische Literatur nicht mehr wegzudenken: Darunter sind Autoren jüdischer Herkunft, deren Werke die Identitätsthematik im Dreieck russischer, jüdischer und deutscher Kultur artikulieren – oder auch russlanddeutsche Literaten.

Viele von ihnen haben den großen Schritt getan und schreiben mittlerweile auf Deutsch. Vergleicht man ihre Werke, so gehören biografische Themen zur zentralen Gemeinsamkeit. Die postsowjetische Literatur schrieb außerdem neue Schauplätze und Ereignisse in das kollektive Gedächtnis ein: etwa die Leningrad-Blockade, russische Kindertransporte im Zweiten Weltkrieg und natürlich auch Antisemitismus und antijüdische Prozesse in der ehemaligen Sowjetunion. Auffallend ist das Fehlen der Großväter (gestorben im Vaterländischen Krieg) – dafür schweigende Großmütter, die die Enkelkinder mit einem scheinbar undurchdringlichen Familiengeheimnis konfrontieren. Diese Umgangsweise mit Geschichte steht symbolisch für das nicht gelebte, verdrängte und fremd gewordene Judentum der Großelterngeneration zu Sowjetzeiten.

In unserer Autorenlesenacht freuen wir uns auf je zwei spannende Protagonisten der postsowjetischen Literaturszene:

Oleg Jurjew liest aus seinen Bänden "von orten. ein poem" und "von zeiten. ein poem" sowie aus dem Sammelband "In zwei Spiegeln". Olga Martynova liest aus ihrem Gedichtband "Von Tschwirik und Tschwirka" sowie ein kurzes Essay über Ossip Mandelstamm. Dimitrij Kapitelman liest aus seinem Debütroman „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“Lena Gorelik liest aus ihrem Reiseroman „Verliebt in Sankt Petersburg“. Moderiert wird die Lesung vom Schriftsteller und Literaturkritiker Michael G. Fritz.



Biographisches:

Oleg Jurjew, geboren 1959 in Leningrad, ist Lyriker, Romancier, Dramatiker, Essayist und Übersetzer. Seit 1991 lebt und arbeitet er mit seiner Frau, der Autorin Olga Martynova, in Frankfurt am Main. Seine ersten Gedichte verfasste Jurjew bereits im Alter von 11 Jahren.  In der Endphase der Sowjetunion verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Übertragungen, vor allem aus dem Englischen, sowie mit dem Schreiben von Kindererzählungen und Gedichten. 2017 erschien sein neuer Roman „Unbekannte Briefe“.

Olga Martynova, geboren 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien, schreibt Gedichte, Essays und Prosa. Die in Leningrad aufgewachsene Schriftstellerin übersiedelte 1991 mit ihrem Mann, dem Autor Oleg Jurjew, nach Frankfurt am Main. Für ihre Texte wurde sie vielfach ausgezeichnet, wie beispielsweise 2011 mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und 2015 mit dem Berliner Literaturpreis. Ihr neuster Roman „Der Engelherd“ erschien 2016.

Dimitrij Kapitelman, geboren 1986 in Kiew, ist Autor, Journalist und Musiker. Im Alter von acht Jahren kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin und veröffentlich unter seinem Künstlernamen „Dheema“ Musik. Für seinen Debütroman „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“ erhielt er den Klaus-Michael-Kühne-Preis des Harbour Front Literaturfestivals 2016.

Lena Gorelik, geboren 1981 in Sankt Petersburg, emigrierte 1992 gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland. Heute ist sie Journalistin, u.a. für Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung, und Schriftstellerin. Gorelik veröffentlicht sowohl belletristische als auch wissenschaftliche Texte und Reiseliteratur. Für ihren Roman „Die Listensammlerin“ erhielt sie 2012 das Literaturstipendium des Freistaats Bayern und 2014 den Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag. Ihr neuster Roman „Mehr Schwarz als Lila“ erschien Anfang des Jahres 2017.

Michael G. Fritz (geb. 1953) lebt als freier Schriftsteller in Dresden und Berlin. Bekannt wurde er durch seine Romane und Erzählungen, darunter die hochgelobten Romane „Die Rivalen“ (2007) und „Tante Laura“ (2008), mit denen er laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Geheimtipp unter deutschen Erzählern avancierte. Zuletzt erschien „Ein bisschen wie Gott“ (2015). Seit Ende der 1980er Jahre veröffentlicht Michael G. Fritz überdies Literaturkritiken und Texte zur bildenden Kunst, für den Rundfunk und Wochenzeitungen.

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Förderprogramms Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung unterstützt.

In Kooperation mit dem Literaturhaus Villa Augustin des Erich Kästner-Museums Dresden.

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