L’Chaim – Auf das Leben

Die Vielfalt jüdischen Lebens entdecken

Ausstellung

Mittwoch 23.10.2019
bis
Sonntag 10.11.2019

Montag, Mittwoch und Donnerstag 9 - 16 Uhr Dienstag 9 - 18 Uhr Freitag 9 - 14 Uhr

Neues Rathaus Dresden

Eintritt: kostenfrei

Jüdinnen und Juden prägten und gestalteten seit Jahrhunderten die Geschichte Mitteleuropas. Nach dunklen Jahren entfaltet sich heute das jüdisches Leben wieder in der Bundesrepublik. Es ist so vielfältig wie das Land selbst. 

Die Ausstellung wird seit 2017 Schritt für Schritt um die Darstellung jüdischen Lebens in den unterschiedlichen Bundesländern erweitert. Sachsen gehört mit Portraitfotografien neben Brandenburg zu den ersten Stationen im Bundesgebiet.

In verschiedenen Themenfilmen geben Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sozialisation und Interessen Auskunft über ihren Bezug zu Deutschland, zu Beruf, Familie, Heimat und dem Verhältnis zur Religion. Nichtjuden mit starken Bezügen zum jüdischen Leben werden ebenfalls in der Ausstellung porträtiert und bilden die Brücke zum Miteinander in einem von Vielfalt geprägten Deutschland.

Durch die persönlichen Erzählungen werden Wissen und Verständnis für Aspekte jüdischen Lebens gefördert. Zu den Filmen gibt es Einführungstexte, ein Glossar zur Begriffserklärung und die Biografien der Protagonist*innen.

Geöffnet vom 23.10. - 10.11.2019
Einlass über die Goldene Pforte

Montag, Mittwoch und Donnerstag 9 - 16 Uhr
Dienstag 9 - 18 Uhr
Freitag 9 - 14 Uhr

In der Ausstellung können auch Gruppenworkshops und -führungen zu den Themen Judentum, Antisemitismus, Identität und Zusammenleben gebucht werden: 

Désirée Galert
Tel: 030 28 43 97 22
E-Mail: praxisstelle@kiga-berlin.org

Die Ausstellung ist ein Projekt der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus – KIgA e.V.


Die porträtierten Menschen 

Die Kurzbiographien beziehen ihre Aktualität auf den Zeitraum ihrer Erstellung im Sommer 2017. Hinzukommen Potsdamer und Dresdner Biografien, die vor der Ausstellungseröffnung noch bekanntgegeben werden.

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Rebekka Adler

Rebekka Adler, geboren 1978 in Heidelberg, begann im Alter von sechs Jahren Bratschenunterricht zu nehmen. Heute ist sie Professorin für Viola (Bratsche) an der Universität der Künste und lebt in Berlin. Ihr ausdrückliches Interesse gilt der Aufführung vergessener Werke jüdischer Komponisten.

Benjamin Agha

Benjamin Agha ist 1997 geboren und wuchs in Berlin auf. Mütterlicherseits hat er einen christlich-jüdischen und väterlicherseits einen jüdisch-muslimischen Hintergrund. Seine Familie war nicht sonderlich religiös, erst nachdem seine Schwester und er sich verstärkt dafür zu interessieren begannen, wurde Religion in der Familie zum Thema. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er in der Jüdischen Gemeinde aktiv. Nach seinem Abitur begann er Rechtswissenschaften an der Universität Potsdam und Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen zu studieren. Er engagiert sich in der Christlich Demokratischen Union (CDU).

Vivet Alevi

Vivet Alevi ist 1952 in Istanbul, Türkei, geboren und dort aufgewachsen. In Berlin studierte sie Visuelle Kommunikation. Sie arbeitete als Sozialpädagogin in der Erwachsenenbildung. Seit 1999 arbeitet sie verstärkt mit dem Konzept der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg, das auf friedliche Konfliktlösung und Vertrauen im zwischenmenschlichen Miteinander setzt. Heute ist sie selbstständige Trainerin und Beraterin in Deutschland und der Türkei. Seit 2011 bildet sie andere Trainer im Bereich der Gewaltfreien Kommunikation aus. Sie lebt in Istanbul und Berlin und hat einen erwachsenen Sohn.

Tal Alon

Tal Alon ist in Israel geboren und zog 2009 mit ihrem Mann und zwei Söhnen nach Berlin. Sie hat Politikwissenschaft, Geschichte und Politische Kommunikation an der Universität Tel Aviv studiert. Als Journalistin arbeitete sie als Leiterin der Nachrichtenredaktion für die zwei größten israelischen Zeitungen. In Berlin gründete sie Spitz, das erste hebräische Magazin in Deutschland seit dem Holocaust. Das Magazin richtet sich vor allem an Israelis in Berlin und thematisiert aktuelle kulturelle, gesellschaftliche und politische Fragen.

Gerhard Baader

Gerhard Baader, geboren 1928 in Wien, musste während des Nationalsozialismus aufgrund seiner jüdischen Herkunft von 1942 bis 1944 Zwangsarbeit leisten. Von 1948 bis 1952 studierte er in Wien Klassische Philologie, Germanistik, Linguistik und Geschichtswissenschaft. Seit 1967 war er am Institut für Medizingeschichte der Freien Universität Berlin tätig. Als Professor forschte er zur Geschichte der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit mit einem Schwerpunkt auf die Geschichte der Medizin zur Zeit des Nationalsozialismus. Mit anderen Mitgliedern der Synagoge in der Oranienburger Straße engagiert er sich für jugendliche Geflüchtete in Berlin-Spandau.

Ohad Ben-Ari

Ohad Ben-Ari wurde 1974 in Israel geboren. Bereits mit 12 Jahren trat er mit dem Israelischen Philharmonischen Orchester auf. Mit 13 Jahren studierte er Klavier und Komposition an der Universität Tel Aviv. Er gewann diverse Musikpreise und spielte weltweit mit internationalen Orchestern. 1996 ging er in die USA und lebte in New York und Los Angeles, wo er mit Erfolg als Musikproduzent für Popmusik arbeitete. Seit 2010 lebt er mit seiner Familie in Berlin und setzt seine Arbeit als Pianist und Komponist fort. Er ist Gründer und Leiter des ID Festivals in Berlin, das aktuelle Themen wie die Beziehung zwischen Deutschland und Israel aus künstlerischer Perspektive mit Beiträgen von israelischen Künstlern in Deutschland beleuchtet.

Nomi Berg

Nomi Berg, geboren 1996 in Berlin, besuchte dort eine freie Grundschule und machte 2014 Abitur. Danach unternahm sie diverse Reisen. Sie beschreibt sich selbst als Optimistin, die an das Gute im Menschen glaubt. Trotz des Unmutes ihrer Familie hat sie keinen engen Bezug zum Judentum. Ihre Bat Mitzwa hat sie dennoch gemacht. 2016 begann sie mit einer Ausbildung zur Erzieherin.

Sharon Brauner

Sharon Brauner wurde als jüngste von drei Schwestern in West-Berlin geboren. Dort absolvierte sie eine Musical-Ausbildung und in New York eine Schauspielausbildung. Als Musikerin und Schauspielerin veröffentlichte sie bisher vier Musikalben und wirkte an mehr als 50 Fernseh- und Kinoproduktionen mit. Sie komponiert eigene Musik und tritt regelmäßig als Musikerin auf. Unter anderem arrangiert sie jiddische Lieder neu, um dieses kulturelle Erbe auch im 21. Jahrhundert zu bewahren. Sie ist die Tochter von Wolf und Renée Brauner. Als Kind hielt sie Jiddisch für eine Geheimsprache, wenn ihr Vater Wolf mit anderen Überlebenden des Holocaust beim Kartenspiel in der Sprache der osteuropäischen Juden sang.

Wolf Brauner

Wolf Brauner ist der Vater von Sharon Brauner und wurde 1923 im polnischen Łodz geboren. 1939 flüchtete die Familie Richtung Osten in die Sowjetunion und überlebte so den Holocaust in Zentralasien. 1945 kehrte die Familie nach Polen zurück, verließ das Land jedoch wegen des antisemitischen Pogroms in Kielce. Seit 1946 lebt Wolf Brauner in Berlin. Er arbeitete als Herstellungsleiter bei dem von seinem Bruder Artur Brauner gegründeten Unternehmen CCC-Film, einer der erfolgreichsten Filmproduktionsfirmen der Nachkriegszeit. Zudem arbeitete er als Fotograf und war Teilhaber verschiedener Restaurants und des Nachtclubs Big Eden.

Elisabeth Degen

Geboren 1970 in Frankfurt am Main, ist Elisabeth Degen in Berlin aufgewachsen. Die Tochter der Malerin Sarah Eckel und des Schauspielers und Schriftstellers Michael Degen spielt seit ihrem 16. Lebensjahr in Spielfilmen, Serien und am Theater. Ihr Großvater Jakob Degen wurde 1939 in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin deportiert und starb 1940 an den Folgen der Folter. In ihrem Alltag erlebt sie selbst immer wieder Antisemitismus. Über Israel wünscht sie sich eine faire und objektive Berichterstattung.

Salomea Genin

Salomea Genin wurde 1932 als Kind polnisch-russischer Juden in Berlin geboren. 1939 flüchtete die Familie vor den Nationalsozialisten nach Australien. In Melbourne schloss sie sich der Kommunistischen Partei an. Als Mitglied der australischen Delegation zu den „3. Weltfestspielen der Jugend und Studenten“ kam sie erstmals 1951 wieder nach Ost-Berlin und begeisterte sich für die DDR. 1954 kehrte sie nach Berlin zurück, um in der DDR ein – wie sie hoffte – besseres, antifaschistisches Deutschland mitaufzubauen. Da ihr die DDR die Einreise verweigerte, lebte sie in England und West-Berlin, bevor sie 1963 nach Ost-Berlin übersiedeln durfte und Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wurde. 1982 erkannte sie, dass sie mitgeholfen hatte, einen Polizeistaat zu schaffen und wollte sich das Leben nehmen. Auch antisemitische Erfahrungen erschütterten ihre Einstellung zur DDR. 1992 veröffentlichte sie „Scheindl und Salomea“, ein Buch über ihre Familie, 2009 erschien ihre Autobiographie „Ich folgte den falschen Göttern“, in der sie mit ihrer DDR-Vergangenheit abrechnet. Sie spricht heute als Zeitzeugin und Autorin über ihr Leben.

Anne Goldenbogen

Anne Goldenbogen ist 1977 in Dresden geboren und hat einen jüngeren Bruder. 1996 machte sie ihr Abitur und zog nach Berlin. Hier studierte sie Politikwissenschaften und begann 2005 ehrenamtlich bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) zu arbeiten. Seit 2011 ist sie in der Entwicklung und Leitung von politischen Bildungsprojekten zur kritischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus tätig. Seit 2014 arbeitet sie selbstständig als Konzepterin und Texterin im Bereich der politischen Kommunikation.

Leon Golzmann

Leon Golzmann wurde 1971 in Kischinau, Moldawien geboren. Seine Familie wanderte 1973 nach Israel aus, wo er zwei Jahre die Grundschule besuchte. 1979 zog seine Familie nach Berlin. Nach seinem Musikstudium arbeitete er von 1994 bis 2007 als Musiklehrer in Berlin. Ab 2007 ließ er sich zum Maschgiach ausbilden und beaufsichtigt seitdem in verschiedenen koscheren Restaurants, Hotels und Cateringfirmen die Einhaltung der jüdischen Speisegesetze.

Kurt Gutmann

Kurt Gutmann wurde 1927 in Krefeld als jüngster von drei Brüdern geboren. Sein Vater verstarb, als er eineinhalb Jahre alt war. Während seiner Kindheit litt er unter antisemitischem Terror und Schikanen der Nationalsozialisten. 1939 entkam er mit einem der letzten Transporte, der jüdische Kinder aus Deutschland rettete, nach Schottland. Seine Mutter und sein ältester Bruder wurden im Vernichtungslager Sobibor ermordet, ein weiterer Bruder konnte ebenfalls nach Schottland fliehen. Dort wurde Kurt Gutmann Soldat in der britischen Armee und kehrte so 1945 nach Deutschland zurück. Seit 1948 lebt er wieder in Berlin, wo er im Handelsbereich und später als Radioredakteur und Übersetzer tätig war.  2009 war er Nebenkläger im Prozess gegen den ehemaligen SS-Mann John Demjanjuk, der für seine Taten im Vernichtungslager Sobibor angeklagt wurde.

Jonathan Kalmanovich (Ben Salomo)

Der 1977 in Israel geborene Rapper Ben Salomo, mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich, ist in Berlin aufgewachsen und hat dort die Konzertreihe Rap am Mittwoch gegründet. Als er vier Jahre alt war, zog seine Familie nach Berlin. Nach der Trennung seiner Eltern lebte er bei seiner Mutter, die ihn und seine jüngere Schwester in Schöneberg allein großzog. Von türkischen und arabischen Jugendlichen wurde er oft gemieden oder diskriminiert, sobald sie herausfanden, dass er Jude ist. Früh musste er sich gegen Antisemitismus in seinem Kiez zur Wehr setzen. Religion spielte in seinem Alltag keine große Rolle, da er sein Judentum eher als ethnische Zugehörigkeit versteht, allerdings feierte er als Junge seine Bar Mitzwa in der Synagoge an der Joachimsthaler Straße in Berlin. Ende der 1990er Jahre begann er mit Freunden eigene Musik zu produzieren. Sein Album „Es gibt nur Einen“ erschien 2016.

Leonard Kaminski

Leonard Kaminski wurde 1987 in Berlin geboren und wuchs dort auf. Nach seinem Abitur 2006 studierte er Internationale Beziehungen, Internationale Sicherheitsstudien und Politikwissenschaft in Israel, Paris und Berlin. Als leidenschaftlicher Fußballspieler hat er 2015 die dritte Herren-Mannschaft von Makkabi Berlin mitgegründet, in der er mit seinen Mitspielern regelmäßig gegen andere Teams antritt. Er ist seit 2015 Mitglied des Parlaments der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Daniel Kauffmann

Daniel Kauffmann ist 1981 in Bad Gandersheim geboren. Sein Vater ist jüdisch, seine Mutter ist christlich. In Berlin hat er Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie studiert und anschließend in verschiedenen Museen gearbeitet. Seit 2011 ist er Lehrer an einem Berliner Gymnasium und leitet seit 2014 die Mittelstufe der Schule. Mit seinem Mann, der aus Israel kommt, ist er seit 2004 zusammen und seit 2007 verheiratet.

David König

David König wurde 1968 in Prag geboren und ist in Nürnberg aufgewachsen. Er studierte Bühnen- und Kostümgestaltung am Mozarteum in Salzburg und arbeitet heute mit vielen Regisseuren an unterschiedlichen Bühnen des deutschsprachigen Raums für Oper, Schauspiel und Ballett. Neben dem Bühnenschaffen absolvierte er an der Beuth Hochschule in Berlin ein Studium für Theatertechnik, das er 2012 abschloss. Seit gut 15 Jahren gestaltet er Cartoons und Comics. Seine Comicreihe Kurzkurzberichte erschien von März 2015 bis Oktober 2016 täglich im Nordbayerischen Kurier.

Esther Kontarski

Esther Kontarski ist in Köln geboren und in Stuttgart aufgewachsen. Sie studierte in Berlin und arbeitete nach ihrem Studium als Übersetzerin. Sie absolviert eine Ausbildung zur Soferet STaM und wird als solche Schriften für die jüdische Religionspraxis herstellen.

Avraham Kotljar

Avraham Kotljar wurde 1939 in Taschkent, Usbekistan geboren. Sein Vater ist als Soldat der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg gefallen. 1956 schloss Avraham Kotljar die Schule ab. Er begann im Kabelwerk in Taschkent zu arbeiten, von 1960 bis 1963 leistete er seinen Militärdienst ab. Die Familie zog 1978 nach Duschanbe, Tadschikistan. Weil es zu Ausschreitungen gegen Nicht-Tadschiken kam, als Tadschikistan nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unabhängig wurde, beschloss die Familie das Land zu verlassen und emigrierte 1991 nach Israel. Hier fand er jedoch aufgrund seines Alters keine Anstellung. Die Familie verließ Israel noch im selben Jahr und zog nach Magdeburg, wo Avraham Kotljar als Ingenieur arbeitete. 2004 ging er in Rente, zog mit seiner Frau von Magdeburg nach Bremen und war ehrenamtlich bei Airbus für das Deutsche Technikmuseum tätig. Seit 2009 lebt er in Berlin und restauriert für das Deutsche Technikmuseum alte Flugzeuge.

Hagar Levin

Hagar Levin ist 1987 im israelischen Hod HaScharon geboren und dort aufgewachsen. Ihre Familie hat europäische und irakische Wurzeln. Sie studierte in Jerusalem Islam- und Nahostwissenschaften. Von 2012 bis 2017 lebte sie in Berlin, wo sie zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte. Danach gründete sie das Dialogprojekt Shalom Rollberg, das interkulturelle Begegnungen zwischen vorwiegend muslimischen Kindern und Jugendlichen und jüdischen Ehrenamtlichen ermöglicht. Aus familiären Gründen hat sie sich im Sommer 2017 entschieden, Berlin zu verlassen und nach Israel zurück zu gehen. Ihr Projekt Shalom Rollberg wird jedoch fortgesetzt.

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