Pressemitteilung - WOSTOK GOES WEST – Postsowjetisches Judentum nach 1989

Jüdische Musik- und Theaterwoche startet ins 21. Jahr

"Im Sommer 1990 breitete sich in Moskau ein Gerücht aus: Honecker nimmt Juden aus der Sowjetunion auf, als eine Art Wiedergutmachung dafür, dass die DDR sich nie an den deutschen Zahlungen für Israel beteiligte … Es sprach sich schnell herum, alle wussten Bescheid, außer Honecker vielleicht.“  aus: Wladimir Kaminers „Russendisko“

Über 200.000 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion sind seitdem als sogenannte Kontingentflüchtlinge aus dem Osten - russisch: Wostok - nach Deutschland eingereist. Heute stammen 70-90 Prozent der jüdischen Gemeindemitglieder in Deutschland aus den GUS-Staaten. Auch direkt nach Israel und in die USA sind viele russische und ukrainische Juden ausgewandert.

„Wir wollen in diesem Jahr dieser Entwicklung Rechnung tragen“ erklärt Festivalleiterin Valeriya Shishkova. „Denn so wie türkische, italienische oder griechische Einwanderer in den Wirtschaftswunderjahren die westdeutsche Kultur bereicherten, brachten die aschkenasischen Juden ebenfalls ihre jahrhundertealten Traditionen mit.“

Wie spannend diese Entwicklung ist und bleibt, zeigen die Gäste der Jüdischen Woche (vom 15. bis 29. Oktober 2017). So wird etwa Wladimir Kaminer in einer Lesung auf seine typische, scheinbar naive und dennoch zutiefst hintergründige Art, aus der russisch-jüdisch-deutschen Zwischenwelt berichten. Bei der anschließenden Russendisko bringt das DJ-Team Kaminer/Gurhzy aktuelle Gassenhauer zwischen Balalaika-Rockabilly, Ukraino-Dub und Klezmer-Punk auf den Tanzboden der Scheune.  

Für alle Literaturfreunde wird es mit der Autorenlesenacht Wostok Goes West ein besonderes Highlight geben: Lena Gorelik, Dimitrij Kapitelman, Olga Martynova & Oleg Jurjew bestreiten gemeinsam mit Moderator Michael G. Fritz einen spannenden Abend zwischen postsowjetischen, deutschen und jüdischen Identitäten.

„Besonders freue ich mich auf unser Eröffnungskonzert“, sagt Festivalleiterin Shishkova. „Das Duo Sveta Kundish und Patrick Farrell wird in einem fantastischem Erzählkonzert die Geschichte von Kundishs Familie interpretieren. “Das wird sehr berührend.“ Die Geschichte steht symbolisch für die verschiedenen Stationen und biografischen Brüche, die das Ostjudentum seit den 1980ern über die verschiedenen Erdteile führt und die die 21. Jüdischen Musik- und Theaterwoche in diesem Jahr vorstellen möchte.

Mit dem Konzertabend Klezmer Showdown fährt das Festival große Geschütze auf, denn über weniges lässt sich besser streiten, welcher Klezmer denn nun der wahre Jakob ist. Mit Klezmer Reloaded und dem Klezmer Duo Jacobowitz/Rayko treten deshalb je zwei Meister ihres Fachs gegeneinander an. Eine Bühne, zwei Bands und vier Herzen, die in ganz unterschiedlichem Takt für die jiddische Musik schlagen. Das Publikum darf entscheiden…

Auch das Food Festival Gefilte Fest findet mittlerweile zum dritten Mal im Rahmen der Jüdischen Woche statt und wird wieder mit zahlreichen Workshops, Koch-Shows und dem Dinnerabend Der besondere Schabbat die heimische Küche mit leckeren Rezepten zum Thema Wostok Goes West bereichern.

Ein weiteres Fest-im-Fest bildet der Familientag. In Kooperation mit dem tjg – Theater Junge Generation können Kinder dort bei Russisch-Brot-Backen, Musik und lehrreicher Theaterpädagogik kulturelle Differenzen ausloten und spannende Gemeinsamkeiten entdecken.

Mit The Disorientalists kommen außerdem zwei der derzeit kreativsten, jüdischen Songschreiber, Yuriy Gurzhy & Daniel Kahn, gemeinsam mit Sängerin Marina Frenk, als Gastspiel des Maxim-Gorki-Theaters auf die Bühne. Multi-Talent Daniel Kahn hatte nach seiner furiosen Darstellung in Hiob am Staatsschauspiel/Kleines Haus unzählige Fans dazu gewonnen und wird, gemeinsam mit dem russischen Anarcho-Avantgardisten Psoy Korolenko, das Festival mit seiner Rock’n’Roll-Predigt Die Unternationale an die musikalischen Grenzen von ideologischen Gewissheiten bringen.

Zum Finale bestreiten dann die legendären Apparatschik mit Balalaika und ihrem Mix aus Balkanpop, Sowjet-Rock und melancholischen Texten den großen russisch-ukrainischen Abschiedsblues.

Das gesamte Programm, Tickets im Vorverkauf und weitere Informationen finden Sie hier:

www.juedische-woche-dresden.de

 

 

Bei Fragen, einfach fragen:

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Nils Brabandt

Tel: 0178 2975 846

E-Mail: presse@juedische-woche-dresden.de

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