Die große Reut-Shemesh-Retrospektive eröffnet HELLERAU im Großen Saal mit ATARA, ein Stück, das Reut Shemesh 2019 während ihrer Residenz im Hamburg entwickelte und das aus Perspektive orthodoxer und säkularer Jüdinnen die Rolle der Frau und weiblicher Sexualität innerhalb unterschiedlicher gesellschaftlicher Lebenswirklichkeiten befragt. Shemesh selbst wuchs in Koexistenz dieser beiden kaum miteinander zu vereinbarenden Lebensweisen auf: eine Hälfte der Familie erzog sie säkular, die andere orthodox. 2020 wurde ATARA zur Tanzplattform Deutschland eingeladen.
Nach dem Stück wird es eine feierliche Eröffnung im Dalcroze Saal geben, bevor ein Konzert den Abend ausklingen lässt.
Zwischen dem 7. und 10. Oktober 2021 wird das Publikum Gelegenheit haben, sich der künstlerischen Handschrift Shemeshs aus verschiedenen Blickwinkeln anzunähern. Insgesamt drei choreografische Bühnenarbeiten werden in HELLERAU zu sehen sein. Vervollständigt wird dieses Künstlerinportrait neben Workshops mit Schulklassen und Trainings für die lokale Szene durch zwei Videoinstallationen.
Am Freitag, den 8.10., präsentiert HELLERAU um 20 Uhr im Nancy Spero Saal mit LEVIAH ein dunkles, persönliches, vulnerables und mutige Duett, mit der Reut Shemesh ihre Zeit beim israelischen Militär reflektiert. Prämiert mit zahlreichen Auszeichnungen, u.a. dem Kölner Tanz- und Theaterpreis 2017, markiert diese Arbeit ihren choreografischen Durchbruch: ein Stück über Israel, Gewalt und beschädigte Weiblichkeit. Im Anschluss an die Premiere von LEVIAH wird es ein Publikumsgespräch mit der Künstlerin geben.
Am Samstag, den 9.10., gibt es Gelegenheit, ein double feature zu erleben: auf das Stück LEVIAH um 19 Uhr folgt um 21 Uhr im Großen Saal COBRA BLONDE. Darin nimmt Shemesh die Tradition des deutschen Gardetanzes unter die Lupe und untersucht die Repräsentation weiblicher Tänzerinnen – hier in der Rolle der Funkenmariechen – im Kontext folkloristischer rheinischer Karnevalsfeiern.
Am Sonntag, den 10.10., präsentiert HELLERAU um 15 Uhr ein weiteres Mal COBRA BLONDE.
Neben diesen drei Bühnenarbeiten wird das Portrait der Künstlerin Reut Shemesh ergänzt um zwei Videoinstallationen, die ebenfalls in Räumlichkeiten des Festspielhauses sowohl vor als auch nach den Stücken zu erleben sind. Let’s catch Tigers (2013) ist eine Ode an acht ältere jüdische Frauen, deren Lebensfreude und Unabhängigkeit durch choreografierte Bewegungen und Tänze von einer Kamera, die den Protagonistinnen sehr nah kommt, eindrucksvoll eingefangen wird, während in Wildwood Flowers (2015) ein ebenfalls rein weiblicher Cast erratische und befremdende Tänze mit Gesichtsmasken aus Papier vollführt und sich dabei physisch wie emotional in Extremzustände bringt.
Fernsehbeitrag über Reut Shemesh – Mutig Sinnlich Radikal (4min.)