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Ensemble Lucidarium

Das Ensemble Lucidarium widmet sich in seinem neuen Programm, Iter Hierosolymitanum, dem Weg der christlichen Kreuzritter nach Jerusalem und der Schneise der Zerstörung, die sie – noch gar nicht im Heiligen Land angekommen – bereits durch die jüdischen Gemeinden Frankreichs und Deutschlands schlugen. Entstanden sind dabei im christlichen Kanon fast 200 bekannte Lieder und Texte, die zu Ehren der Kreuzzüge und Kreuzfahrer geschrieben wurden. In zahlreichen Fällen wandelte sich diese anti-judaistische (oder anti-islamische) Rhetorik in tatsächliche Gewalt – eine „Backgroundgeschichte“, die aus Blutvergießen, Massenmord an Schwachen und der Vernichtung ganzer Gemeinschaften bestand, die in den meisten Fällen seit Jahrhunderten Teil des sie umgebenden sozialen Netzes waren.

Doch es gibt ein auch riesiges Repertoire an Piyyutim (nachbiblische hebräische Poeme), die diesen Massakern zwischen 1095 und 1291 gewidmet sind und erst einige Jahrhunderte nach den eigentlichen Ereignissen geschrieben wurden. Die Piyyutim wurden in ganz Nordeuropa gespielt, praktisch an jedem Ort, an dem sich Juden versammelten. Viele dieser Gedichte werden immer noch in der volkstümlichen Tradition gesungen. Seit der Neuzeit werden die Massaker, die im mittelalterlichen Deutschland stattfanden, oft als Vorahnung der Shoah angesehen.

Lucidarium gibt den Opfern nun eine Stimme: Niemand weiß, wie die Lieder damals wirklich geklungen haben, denn es gibt keine Aufzeichnungen dazu – weder in Notenform, noch als Tonaufnahme. Mit wissenschaftlicher Akribie forschten sie deshalb in ganz Europa, um zwischen der mündlichen Überlieferung und den historischen Melodien eine glaubwürdige, wenn auch nicht „authentische“ Aufführung zu schaffen.

Carla Nahadi Babelegoto, Lior Leibovici, Enrico Fink: Gesang
Luca Piccioni: Gesang, Laute, Zitter
Avery Gosfield: Blockflöten, Einhandflöte & Trommel
Élodie Poirier: Vielle, Rebec
Massimiliano Dragoni: Schlagwerk, Hackbrett

Details

Datum: 3. September
Beginn: 19:30
Eintritt: 7 Euro – 17 Euro
Veranstaltungs- kategorie:

Venue

Palais im Großen Garten

Hauptallee 5
Dresden, 01219

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Das italienische Ensemble Lucidarium arbeitet innerhalb von zwei Schwerpunkten: Der Ars Italica, welche verschiedene Aspekte der italienischen Kultur durch ihre Musik und Poesie erforscht, und der Ars Hebraicae, welche sich der Rekonstruktion der Klangwelt der Juden im Europa der Renaissance widmet.

Dabei erforschen sie die Verbindungen zwischen mündlicher und schriftlicher Überlieferung, die Mechanismen, die Melodien, Texte und Tänze über Europa und darüber hinaus brachten. Die Musiker:innen und Sänger:innen widmen sich einem multikulturellen Ansatz für Alte Musik, der die Stimmen der "Anderen" - derjenigen, die im Schatten der großen Institutionen lebten - auf unterhaltsame und ansprechende Weise für das Publikum des 21 Jahrhunderts erlebbbar macht.

Die Kombination aus innovativer Musikforschung, Kreativität und einem energiegeladenen, spontanen Aufführungsstil brachte dem Ensemble bei Kritik und Publikum jede Menge Anerkennung.