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Regina Jonas – Die erste Rabbinerin

„Eine Frau, die durchs Fenster kam, weil man sie nicht durch die Tür ließ!“

Regina Jonas, die im Jahr 1935 als weltweit erste Frau das Rabbinats-Diplom erhielt, ist heute für alle Rabbinerinnen ein Vorbild, denn sie überwand die Widerstände ihrer Zeit und setzte sich mit Mut und Willen in einem patriarchalen System durch. Regina wird am 3. August 1902 in Berlin geboren und wächst in einer jüdisch-orthodoxen Familie auf. In den Synagogen sitzen die Frauen getrennt von den Männern, auch das Vorbeten ist ihnen verwehrt. Nach dem Ersten Weltkrieg werden die jüdischen Frauen jedoch selbstbewusster. Der jüdische Frauenbund wächst auf mehrere zehntausend Mitglieder an. Schließlich erhalten sie 1926 das Wahlrecht in ihren Gemeinden.

1930 beginnt sie ihr Studium, doch während ihre männlichen Mitstudierenden direkt nach Abschluss ihrer Ausbildung als Rabbiner tätig sein konnten, musste sie jahrelang auf ihre Ordinierung warten. Auch später erhielt sie keine feste Stelle, sondern reiste von Gemeinde zu Gemeinde, die in den 1930er Jahren zunehmend schrumpften und in Schwierigkeiten gerieten. Nach dem Krieg geriet sie weitgehend in Vergessenheit. Ihre ehemaligen Kommilitonen konnten sich kaum noch an sie erinnern und bestritten sogar, dass sie eine ordentliche Ordination erhalten hatte.

Leider hat sich in den vergangenen 100 Jahren an dieser misogynen Situation wenig geändert. Erst im Jahr 2010 wurde mit Alina Treiger zum ersten Mal wieder eine Frau zur Rabbinerin ordiniert. Heute gibt es in Deutschland nur ein Handvoll Rabbinerinnen. Während die liberalen Gemeinden dafür eigentlich offen sind, ist dies im orthodoxen Judentum weiterhin undenkbar.

Die in Ostberlin geborene Ulrike Offenberg ist promovierte Historikerin und recherchierte die Spuren von Regina Jonas in Theresienstadt sowie die letzten beiden Jahre ihres Wirkens vor ihrer Ermordung in Auschwitz. Ulrike Offenberg erhielt ihre Ordination am renommierten hebräischen Union College in Jerusalem. Ihre Ausbildung begann sie zuvor in Berlin und Potsdam am Abraham Geiger Kolleg. Heute ist sie eine von zehn deutschen Rabbinerinnen und betreut in Teilzeit die liberale Gemeinde in Hameln. Zusätzlich arbeitet sie freiberuflich und unterrichtet beispielsweise zu Tora und Barmizwa. Außerdem hat Dr. Ulrike Offenberg an der Universität Duisburg-Essen einen Lehrauftrag. Und engagiert sich darüber hinaus im interreligiösen Gespräch zwischen Christen, Muslimen und Juden.

Nov 08 2023

Details

Datum: 8. November 2023
Beginn: 18:00
Eintritt: 3 € – 5 €
Veranstaltungs- kategorie:

Venue

von-Gerber-Bau, Raum 37

Bergstraße 53
Dresden, 01069

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